Hilde Frauke Wichmann-Steen hett hum schreven.
“GRETIENE” heet dat Wark. Bi DIESEL rutkomen. € 19,80.
To bestellen bi >>> andreas.gerdes@diesel-online.de
Der kleine DIESEL Verlag in Emden hat es gewagt: Er hat einen plattdeutschen Roman gerausgebracht. Seit 1961 hat es das în Ostfriesland nicht mehr gegeben – 1941 erschien KEERLKE *) von Wilhelmine Siefkes im Hamburger Quickborn-Verlag, immer noch ein Klassiker und immer noch gern gelesen. Und 1961 brachte der Verlag der Fehrs-Gilde Siefkes’ „Van de Padd of“ heraus. Ansonsten haben sich die plattdeutschen Autoren und ihre Leser auf die Kurzform beschränkt, selten findet manTexte von mehr als drei Seiten.
Auch Frau Wichmann-Steen ist als Autorin solcher Gedichte undGeschichten bekannt . Sie veröffentlicht im DIESEL, in anderen Zeitschriften, in Kalendern und Anthologien. Das genügte ihr eines Tages nicht mehr. Aufgrund ihrer Krankheit ans Haus gebunden, aber voller Tatendrang, setrzte sie sich an den Computer und verfasste innerhalb eines Jahres den Roman „Gretiene“.
Gut aufgebaut, mit Vor- und Rückblenden, Zeitraffung und -dehnung, in einem authentischen Platt erzählt die Autorin aus dem Leben einer jungen Frau im heutigen Ostfriesland.
Die „Heldin“ Gretiene wächst in Weener auf – genau wie die Autorin stammt sie aus dem Rheiderland. Aber keineswegs erzählt Wichmann-Steen ihr eigenes Leben, da ist nichts „sülvst beleevt“. Vielmehr erzählt sie davon, wie es auch hätte sein können – eine alternative Biografie.
Gretiene hat zwei Brüder, der Vater ist Pastor. Gretiene liebt ihn, aber zugleich fühlt sie sich von der christlichen Strenge im Pastorenhaus eingeengt. Sie arbeitet darum im entfernteren Oldenburg, trifft dann bei Verwandten in Westfalen am Rande einer Hochzeitsfeier ihren späteren Mann.
Vor ihrer eigenen Hochzeit lernt sie auf Borkum einen Segler kennen, mit dem sie sich sofort gut versteht, aber als sie am nächsten Tag wieder in den Hafen kommt, ist das Boot nicht mehr da.
So heiratet sie in dem sicheren Gefühl, dass es der Falsche ist.
Mit den Schwiegereltern, die ein Gasthaus betreiben, hat sie ihre Probleme, deshalb zieht sie mit ihrem Mann nach Ostfriesland zurück in ein Haus an der Jümme.
Die Mutter stirbt, der Mann hat eine Andere, die Brüder haben ihre Probleme…
Nach der Scheidung trifft Gretiene einige interessante Menschen, und immer wieder glaubt sie, ihren Seemann wiederzusehen, doch da scheint sie sich zu täuschen…
Das Titelbild von Joachim Jaenichen-Emden spiegelt den Inhalt künstlerisch wider: Zwei Frauenaugen sehen uns intensiv an, zugleich ahnen wir im Hintergrund ein Segelboot und den Turm der Großen Kirche zu Emden und die Ems.
Das Buch „Gretiene, en Romaan ut Oostfreesland van vandaag“ ist kein „Heimatroman“, sondern erzählt am Beispiel einer Familie, wie die moderne Welt auch Ostfriesland erfasst hat.
Gretiene. 280 Seiten, zum Preise von 19,80 € bei DIESEL und im Buchhandel zu haben.
* Anmerkung: Besondere Verdienste auch um den plattdeutschen Roman hat sich der Verleger Theo Schuster in Leer erworben. Er brachte seit 1973 die 3., 4. und 5. Auflage von „Keerlke“ heraus und 1987 die 3. Auflage von „Van de Padd of“.

